Kräuter sind der wertvollste Teil des Frischfutters: Sie kommen der natürlichen Wiesennahrung am nächsten und ergänzen die Basis aus Heu und frischem Grün besser als jedes Gemüse. Viele Wiesenkräuter und Blattsorten dürfen täglich in den Napf, Küchenkräuter mit ätherischen Ölen bleiben dagegen Würze in kleinen Mengen. Wer selbst sammelt, nimmt nur mit, was sicher bestimmt ist — wie das geht, steht unter Wiesenkräuter sammeln. Und auch für Kräuter gilt: Neues langsam anfüttern, eine Sorte nach der anderen.
Küchenkräuter
Küchenkräuter vom Balkon oder aus dem ungespritzten Topf sind eine gute Ergänzung. Sorten mit viel ätherischem Öl — Minze, Salbei, Thymian, Rosmarin — werden nicht in großen Büscheln gefüttert, sondern als kleine Beigabe.
| Kraut | Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Petersilie | in Maßen | wirkt harntreibend; gilt als wehenanregend — bei trächtigen Tieren nur in kleinen Mengen |
| Dill | täglich geeignet | gut verträglich, wird meist begeistert genommen |
| Kerbel | täglich geeignet | mild und gut verträglich |
| Fenchelgrün | täglich geeignet | gut verträglich, auch bei empfindlicher Verdauung |
| Basilikum | in Maßen | ätherische Öle — kleine Mengen |
| Koriandergrün | in Maßen | wird nicht von jedem Tier genommen |
| Minze | in Maßen | ätherische Öle; gilt als milchhemmend — nicht an säugende Tiere |
| Melisse | in Maßen | ätherische Öle |
| Salbei | in Maßen | ätherische Öle — kleine Mengen |
| Thymian | in Maßen | ätherische Öle — kleine Mengen |
| Oregano | in Maßen | ätherische Öle — kleine Mengen |
| Majoran | in Maßen | wie Oregano |
| Rosmarin | nur selten | sehr ölreich und intensiv — einzelne Zweigspitzen genügen |
| Estragon | in Maßen | kleine Mengen |
| Liebstöckel | in Maßen | intensiv im Geschmack, kleine Mengen |
Wiesenkräuter
Beim Sammeln zählt sichere Bestimmung: Gerade bei Doldenblütlern wie Giersch gibt es giftige Doppelgänger. Was nicht eindeutig erkannt wird, bleibt stehen — die Merkmale und Sammelregeln stehen unter Wiesenkräuter sammeln, die häufigsten Giftpflanzen unter Giftig für Kaninchen.
| Kraut | Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Löwenzahn | täglich geeignet | wirkt harntreibend; Blätter und Blüten |
| Spitzwegerich | täglich geeignet | gut verträglich |
| Breitwegerich | täglich geeignet | gut verträglich |
| Giersch | täglich geeignet | Verwechslungsgefahr mit giftigen Doldenblütlern — nur bei sicherer Bestimmung |
| Vogelmiere | täglich geeignet | wächst fast überall, gut verträglich |
| Brennnessel | in Maßen | nur angewelkt oder getrocknet füttern — frisch brennt sie im Maul; wirkt harntreibend |
| Schafgarbe | in Maßen | wird gern genommen, Verwechslungsgefahr mit anderen Doldenblütlern |
| Gänseblümchen | in Maßen | Blätter und Blüten |
| Kamille | in Maßen | Blüten und Kraut, auch getrocknet |
| Hirtentäschel | in Maßen | nur bei sicherer Bestimmung |
| Klee | nur selten | kann blähen — nicht in großen Mengen |
Blätter und Laub
Das Blattwerk vieler Garten- und Gemüsepflanzen ist besseres Kaninchenfutter als die dazugehörige Frucht oder Knolle — Möhrengrün und Radieschenblätter landen sonst oft im Müll. Zu den Knollen selbst mehr in der Futterliste Gemüse, zu den Beeren in der Futterliste Obst. Alles Laub nur ungespritzt.
| Blätter | Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Möhrengrün | täglich geeignet | wertvoller als die Möhre selbst |
| Radieschenblätter | täglich geeignet | die Knolle dagegen nur selten (Senföle) |
| Kohlrabiblätter | in Maßen | Kohlgewächs — langsam anfüttern |
| Sellerieblätter | in Maßen | intensiv im Geschmack |
| Himbeerblätter | täglich geeignet | frisch oder getrocknet |
| Brombeerblätter | täglich geeignet | auf Stacheln an den Ranken achten |
| Erdbeerblätter | täglich geeignet | aus dem eigenen, ungespritzten Beet |
| Haselnussblätter | täglich geeignet | samt Zweigen als Nagematerial geeignet |
| Apfelbaumlaub | täglich geeignet | von ungespritzten Bäumen, samt Zweigen |
So wird angefüttert
Auch bei Kräutern gilt das Grundprinzip: eine neue Sorte auf einmal, erst eine kleine Menge, dann drei bis vier Tage beobachten. Bleiben Köttel und Appetit normal, darf die Sorte fest in den Speiseplan. Bei Wiesenkräutern kommt die Sammelregel dazu: nicht am Straßenrand, nicht an Hundewegen, nicht auf gedüngten oder gespritzten Flächen — und nichts, was nicht sicher bestimmt ist.
Kurz gefasst
Wiesenkräuter und Blattwerk wie Möhrengrün oder Himbeerblätter dürfen täglich gefüttert werden und sind der wertvollste Teil des Frischfutters. Küchenkräuter mit ätherischen Ölen bleiben kleine Beigabe, Petersilie wird bei trächtigen Tieren zurückhaltend dosiert. Wer sammelt, nimmt nur sicher Bestimmtes mit — im Zweifel bleibt die Pflanze stehen.
Quellen
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.: Merkblatt Nr. 157 „Kaninchen als Heimtiere“, Stand September 2019 — Heu und strukturreiche Rohfaser als Basis; Wiesengrün und Kräuter als Hauptteil des Frischfutters; langsame Futterumstellung; geeignete Zweige
- Giftzentrale Bonn: Übersicht giftiger Pflanzen — Nachschlagewerk zur Bestimmung giftiger Wildpflanzen und ihrer Doppelgänger
- Merck/MSD Veterinary Manual: Digestive Disorders of Rabbits — Rohfasermangel und abrupte Futterumstellung als Auslöser von Verdauungsstörungen