Das beste Kaninchenfutter wächst umsonst am Wegrand. Wiesenkräuter sind abwechslungsreicher als jede Tüte aus dem Handel, sie beschäftigen beim Fressen und sie kosten nichts außer einem Spaziergang. Zwei Dinge muss man dafür können: die Pflanzen erkennen und wissen, wo man nicht pflückt.
Was Kaninchen gern nehmen
Unbedenklich und weit verbreitet sind unter anderem:
- Löwenzahn (Blätter, Blüten, in Maßen auch Stängel)
- Spitz- und Breitwegerich
- Giersch
- Gänseblümchen
- Brennnessel — angewelkt, dann sticht sie nicht mehr
- Vogelmiere
- Schafgarbe
- Kleeblätter in kleinen Mengen (bläht bei zu viel)
- Gras — frisch gepflückt, niemals als Rasenschnitt
Dazu Küchenkräuter wie Petersilie, Dill, Basilikum, Melisse und Pfefferminze sowie Zweige von ungespritzten Obstbäumen, Haselnuss und Weide, siehe Nagematerial & Zweige.
Was auf keinen Fall mitgenommen wird, steht im Beitrag Giftig für Kaninchen. Die Grundregel dabei ist streng: Was nicht sicher bestimmt ist, bleibt stehen.
Wo nicht gesammelt wird
- Straßen- und Feldränder: Abgase, Reifenabrieb, Spritzmittelabdrift
- Hundewiesen und Wegränder: Kot und Urin übertragen Parasiten
- Frisch gedüngte oder gemähte Flächen
- In Ufernähe stehender Gewässer und an Stellen, die tagelang nass sind (Schimmelrisiko)
- Unter Obstbäumen mit Fallobst, wenn dort bereits Gärung eingesetzt hat
Ein Korb ist besser als eine Plastiktüte: In der Tüte beginnt das Grün innerhalb kurzer Zeit zu schwitzen und zu gären.
Richtig anfüttern
Ein Kaninchen, das bisher fast nur Heu und Trockenfutter kannte, verträgt keine volle Schüssel Wiese. Der Darm braucht Wochen, um sich umzustellen.
- Mit einer neuen Sorte beginnen, eine kleine Handvoll.
- Zwei bis drei Tage beobachten: Bleiben die Köttel normal?
- Menge langsam steigern, dann die nächste Sorte dazunehmen.
- Erst danach mischen.
Werden die Köttel weich, klein oder bleiben aus, wird die Menge zurückgenommen — und wenn das Tier nicht frisst, gehört es in die Praxis, siehe Krankes Kaninchen erkennen.
Im Frühjahr gilt das noch einmal besonders: Das erste junge, saftige Gras ist für einen Darm, der den Winter über Heu gewohnt war, eine Umstellung. Lieber zwei Wochen zu langsam als einen Tag zu schnell.
Lagern und füttern
- Nicht nass füttern; angewelkt ist ideal, nass aus dem Regen ist es nicht.
- Nicht aus dem Kühlschrank direkt in den Napf — Zimmertemperatur.
- Reste nach ein paar Stunden entfernen, besonders im Sommer.
- Vorräte flach ausgebreitet lagern, nicht im geschlossenen Beutel.
Und im Winter?
Zwischen November und März wird die Wiese dünn. Dann tragen Küchenkräuter, Salate, Fenchel, Stangensellerie, Möhrengrün und Kohlblätter (langsam angefüttert) den Frischfutteranteil. Die Basis bleibt in jedem Fall dieselbe: Heu rund um die Uhr, siehe Kaninchenfutter und Heuraufe.
Kurz gefasst
Löwenzahn, Wegerich, Giersch und Gras kosten nichts und sind besser als jede Fertigmischung. Gesammelt wird abseits von Straße, Hundewiese und gedüngter Fläche — und angefüttert wird in kleinen Schritten.
