Kaninchen können nicht erbrechen. Was einmal aufgenommen ist, muss den ganzen Verdauungsweg passieren — und genau deshalb ist bei giftigen Pflanzen keine Zeit für Hausmittel. Die folgende Übersicht ersetzt keine vollständige Giftpflanzenliste, deckt aber ab, was in deutschen Wohnungen und Gärten am häufigsten zum Problem wird.
Zimmerpflanzen, die außer Reichweite gehören
Zu den bekannten Giftpflanzen im Haushalt zählen unter anderem Dieffenbachie, Efeutute, Einblatt, Alpenveilchen, Weihnachtsstern, Oleander, Amaryllis und Drachenbaum. Auch Zwiebelpflanzen wie Narzissen, Tulpen und Hyazinthen sind problematisch — besonders die Zwiebel selbst.
Praktische Regel für die Wohnung: Was nicht sicher als unbedenklich bekannt ist, kommt in ein Zimmer, das nicht zum Freilauf gehört. Hängetöpfe sind keine Lösung — herabfallende Blätter landen zuverlässig auf dem Boden. Mehr zur Absicherung im Beitrag Kaninchen in der Wohnung.
Im Garten und auf der Wiese
Beim Sammeln von Wiesenkräutern gilt: nur mitnehmen, was sicher erkannt wird. Verbreitete Giftpflanzen sind Eibe, Fingerhut, Maiglöckchen, Herbstzeitlose, Goldregen, Buchsbaum, Thuja, Kirschlorbeer, Aronstab und Schöllkraut.
Zwei weitere Regeln beim Sammeln:
- Nicht am Straßenrand, nicht an Hundewegen, nicht auf frisch gedüngten oder gespritzten Flächen ernten.
- Nicht in der Nähe von Feldern sammeln, die behandelt wurden — die Abdrift reicht weiter, als man denkt.
Lebensmittel, die nicht in den Napf gehören
- Rasenschnitt. Er beginnt sofort zu gären und kann zu schweren Blähungen führen. Frisches, gepflücktes Gras ist dagegen unproblematisch.
- Brot, Kekse, Frühstücksflocken, Nudeln. Stärke und Zucker bringen die Darmflora aus dem Gleichgewicht.
- Joghurtdrops, Knabberstangen, Honigringe. Süßwaren im Tierfutterregal — der Zusatz „für Nager“ macht sie nicht besser.
- Avocado, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, rohe Bohnen, Kartoffeln und Kartoffelschalen.
- Milchprodukte, Fleisch, Wurst, alles Gesalzene oder Gewürzte.
- Nüsse und Sonnenblumenkerne in Mengen: sehr fettreich, in vielen Fertigmischungen enthalten.
Was stattdessen auf den Speiseplan gehört, steht im Beitrag Kaninchenfutter: Heu zuerst. Nagematerial, das unbedenklich ist, finden Sie unter Nagematerial & Zweige.
Vorsicht bei Zweigen
Zweige zum Benagen sind sinnvoll — aber nicht jede Sorte. Unbedenklich sind Obstbaumzweige (ungespritzt), Haselnuss und Weide. Nicht geeignet sind Eibe, Thuja, Kirschlorbeer, Robinie, Goldregen und harzreiche Nadelhölzer. Steinobstzweige mit welken Blättern sollte man ebenfalls meiden.
Verdacht auf Vergiftung — was tun?
- Sofort in die Tierarztpraxis. Nicht abwarten, nicht selbst behandeln, kein Erbrechen auslösen — das funktioniert bei Kaninchen ohnehin nicht.
- Reste mitnehmen. Ein Stück der Pflanze, die Verpackung, ein Foto: Das spart in der Praxis entscheidende Zeit.
- Beobachtungen notieren: Wann, wie viel, welche Symptome.
Warnzeichen sind Speicheln, Krämpfe, Apathie, Durchfall, aufgeblähter Bauch, Zittern und plötzliche Futterverweigerung. Letztere ist ohnehin immer ein Grund zur Vorstellung — siehe Krankes Kaninchen erkennen.
Kurz gefasst
Im Freilaufzimmer stehen keine unbekannten Pflanzen. Auf der Wiese wird nur gesammelt, was sicher bestimmt ist. Und bei Verdacht auf eine Vergiftung zählt die Fahrt in die Praxis, nicht die Suche im Internet.
