Die Verdauung eines Kaninchens hat keine Pause. Der Magen-Darm-Trakt hat kaum eigene Muskulatur, die den Nahrungsbrei weiterschiebt — der Nachschub von oben tut das. Deshalb ist die wichtigste Regel der Kaninchenfütterung keine Frage der Sorte, sondern der Verfügbarkeit: Es muss immer etwas zu fressen da sein.
Heu ist keine Beilage
Heu ist das Hauptfutter, nicht die Einstreu und nicht die Deko. Es liefert die Rohfaser, die den Darm in Bewegung hält, und es sorgt für den langen, mahlenden Kauvorgang, der die lebenslang nachwachsenden Zähne abnutzt. Ein Kaninchen, das zu wenig Heu frisst, bekommt über kurz oder lang Zahnprobleme — und Zahnprobleme führen wiederum dazu, dass es noch weniger frisst.
Woran man gutes Heu erkennt:
- Geruch: aromatisch und trocken, nie muffig oder stechend
- Struktur: sichtbare Halme und Blattanteile, nicht nur Staub und Bröseln
- Farbe: grünlich bis hellbraun; grau oder schimmelig ist Ausschussware
Heu gehört in eine Raufe oder auf eine saubere Fläche, nicht in die Toilettenecke. Und es muss täglich nachgefüllt werden, auch wenn noch Reste da sind — Kaninchen sortieren und lassen das Grobe gern liegen. Was zu wenig Heu mit den Zähnen macht, steht unter Zahnprobleme beim Kaninchen.
Frischfutter: täglich, abwechslungsreich, langsam eingeführt
Neben Heu gehört frisches Grün auf den Speiseplan: Blattsalate (kein Kopfsalat als Dauerlösung), Kräuter wie Petersilie, Dill oder Basilikum, Möhrengrün, Fenchel, Stangensellerie, Gurke, im Sommer Wiesenkräuter. Wichtig ist die Umstellung: Ein Tier, das bisher kaum Frischfutter kannte, bekommt kleine Mengen und eine Sorte nach der anderen über Wochen hinweg. Wer von null auf eine volle Schüssel Grünzeug springt, riskiert Durchfall und Blähungen.
Frischfutter sollte Zimmertemperatur haben und nicht nass aus dem Kühlschrank kommen. Angewelktes Grün ist unproblematisch, faulendes nicht.
Wasser: Napf statt Nippeltränke
Aus einer offenen Schale trinken Kaninchen deutlich leichter und in normaler Körperhaltung. Die klassische Nippeltränke gibt Wasser nur tropfenweise ab und verstopft gern unbemerkt. Der Napf sollte schwer genug sein, dass er nicht umkippt, und täglich frisch befüllt werden.
Was im Napf nichts zu suchen hat
- Getreidehaltige Fertigmischungen, Knabberstangen, Joghurtdrops. Zucker- und stärkereich, sie verschieben die Darmflora und machen dick.
- Brot, Kekse, Frühstücksflocken. Aus demselben Grund.
- Rasenschnitt. Er beginnt sofort zu gären. Frisches Gras ja — gemäht und liegengelassen nein.
- Größere Mengen Obst. Als seltene Kleinigkeit in Ordnung, als tägliche Portion nicht. Dasselbe gilt für Möhren: viel Zucker, deshalb Beilage statt Grundnahrungsmittel.
- Reste vom Menschentisch, Milchprodukte, alles Gesalzene oder Gewürzte.
Die vollständige Liste samt Giftpflanzen steht im Beitrag Giftig für Kaninchen.
Pellets und Trockenfutter sind bei ausreichend Heu und Frischfutter nicht nötig. Wo sie eingesetzt werden — etwa bei kranken oder untergewichtigen Tieren —, sollten sie reine Faserpellets sein und in abgemessener Menge gegeben werden, nicht zur freien Verfügung.
Blinddarmkot gehört dazu
Kaninchen produzieren zwei Arten von Kot: die trockenen, runden Köttel und den weichen, traubigen Blinddarmkot, den sie direkt am After aufnehmen und noch einmal verdauen. Das ist kein Fehlverhalten, sondern ein notwendiger Teil der Nährstoffversorgung. Liegt Blinddarmkot regelmäßig im Gehege herum, stimmt etwas nicht: zu energiereiches Futter, Übergewicht oder Schmerzen beim Herumdrehen sind die häufigsten Gründe — das ist ein Anlass für einen Praxisbesuch.
Das Warnsignal: keine Köttel
Der Kot ist die verlässlichste Anzeige für den Zustand der Verdauung. Werden die Köttel kleiner, härter, unregelmäßig oder bleiben sie ganz aus, ist das ein ernstes Zeichen. Frisst ein Kaninchen mehrere Stunden nichts und setzt keinen Kot ab, gehört es in eine Tierarztpraxis — eine Magen-Darm-Stase kann innerhalb eines Tages lebensbedrohlich werden. Abwarten bis zum nächsten Morgen ist hier die falsche Entscheidung. Welche Signale sonst noch zählen, steht unter Krankes Kaninchen erkennen.
Kurz gefasst
Heu immer, Frischfutter täglich und in Ruhe eingeführt, Wasser aus dem Napf, Zuckriges nur als Ausnahme. Und ein Blick auf die Köttel jeden Tag — er kostet zehn Sekunden und ist die beste Früherkennung, die es gibt.
