Kaninchen sind Beutetiere. Ein Tier, das Schwäche zeigt, wird in freier Wildbahn zuerst gefressen — entsprechend gut verbergen sie Schmerzen. Wenn ein Kaninchen sichtbar krank wirkt, ist es meist schon länger krank. Deshalb ist die tägliche Beobachtung wichtiger als jede Hausapotheke.
Die drei Dinge, die man täglich prüft
- Frisst das Tier? Und zwar normal, nicht nur ein bisschen.
- Wie sehen die Köttel aus? Menge, Größe, Form.
- Wie bewegt es sich? Aufmerksam und beweglich oder zusammengekauert in der Ecke.
Abweichungen bei allen dreien sind Anlass, genauer hinzusehen.
Warnsignale
- Futterverweigerung. Das wichtigste Signal überhaupt.
- Kein oder auffällig wenig Kot, sehr kleine oder verformte Köttel, Kotketten mit Fell.
- Apathie: zusammengekauerte Haltung, stumpfer Blick, Rückzug, keine Reaktion auf Futter.
- Lautes Zähneknirschen. Leises Mahlen ist Wohlbefinden, lautes Knirschen ist ein Schmerzzeichen.
- Schiefhaltung des Kopfes, Rollen, unsicherer Gang.
- Nasenausfluss, Niesen, verklebte Innenseiten der Vorderläufe (dort wird die Nase geputzt).
- Speicheln, nasses Kinn, Futter fällt aus dem Maul — typischer Hinweis auf Zahnprobleme.
- Verschmutzte Aftergegend. Im Sommer besonders gefährlich, weil Fliegen dort Eier ablegen.
- Verändertes Trinkverhalten, plötzlich deutlich mehr oder weniger.
- Gewichtsverlust. Unter dem Fell schwer zu sehen — regelmäßig wiegen hilft.
Was ein Notfall ist
In die Praxis, ohne den nächsten Tag abzuwarten:
- Das Tier frisst mehrere Stunden nicht und setzt keinen Kot ab
- Es sitzt apathisch da, knirscht laut mit den Zähnen, atmet angestrengt
- Es hält den Kopf dauerhaft schief oder verliert das Gleichgewicht
- Es hat eine offene Wunde, blutet oder ist in der Aftergegend von Fliegen befallen
- Es liegt im Sommer gestreckt und hechelnd in der Wärme — Verdacht auf Hitzschlag
Beim Verdacht auf Hitzschlag gilt: aus der Sonne, an einen kühlen, schattigen Ort, feuchte Tücher an Ohren und Läufe — nicht in Eiswasser tauchen — und parallel die Praxis anrufen. Was im Sommer vorbeugt, steht unter Kaninchen im Sommer.
Es lohnt sich, vorher herauszufinden, welche Praxis in der Umgebung Erfahrung mit Heimtieren hat und wo der nächste Notdienst ist. Diese Recherche will man nicht um 22 Uhr mit einem apathischen Tier auf dem Schoß machen — und eine Transportbox, die das Tier schon kennt, sollte dann ebenfalls bereitstehen.
Zähne: das häufigste Dauerthema
Kaninchenzähne wachsen lebenslang nach. Fehlt der Abrieb durch faserreiches Futter oder stehen die Zähne von Natur aus ungünstig, bilden sich Spitzen und Haken, die Zunge und Backenschleimhaut verletzen. Sichtbar wird das oft erst spät: Speicheln, einseitiges Kauen, Fressen nur noch von weichem Futter, Gewichtsverlust. Die Kontrolle der Backenzähne gehört deshalb in jede Routineuntersuchung — von außen lassen sich nur die Schneidezähne beurteilen. Ausführlich unter Zahnprobleme beim Kaninchen.
Impfungen und Vorsorge
Gegen Myxomatose und RHD (Chinaseuche, einschließlich RHDV-2) gibt es Impfstoffe. Beide Krankheiten verlaufen für Kaninchen häufig tödlich und werden unter anderem über Insekten übertragen — auch reine Wohnungstiere sind deshalb nicht automatisch sicher. Welcher Impfstoff in welchem Intervall sinnvoll ist, entscheidet die Praxis; üblich ist eine jährliche Auffrischung. Ausführlich unter Impfungen beim Kaninchen.
Weitere Vorsorge im Jahreslauf:
- Krallen kontrollieren und bei Bedarf kürzen lassen, siehe Fell- & Krallenpflege
- Fell während des Haarwechsels täglich durchgehen, besonders bei langhaarigen Tieren
- Gewicht notieren, um schleichende Verluste zu bemerken
- Aftergegend im Sommer täglich prüfen
Kastration
Männliche Kaninchen werden in aller Regel kastriert — nicht nur zur Verhütung, sondern weil unkastrierte Rammler Gruppen unruhig machen. Wichtig: Nach dem Eingriff kann ein Rammler noch mehrere Wochen zeugungsfähig sein. Bis dahin gehört er nicht mit unkastrierten Weibchen zusammen. Wie lange genau, sagt die behandelnde Praxis.
Kurz gefasst
Täglich Fressen, Kot und Verhalten prüfen. Bei Futterverweigerung ohne Kotabsatz nicht abwarten. Die Notfalladresse steht am besten schon im Telefon, bevor man sie braucht.
