Es gibt zwei Viruserkrankungen, gegen die Hauskaninchen in Deutschland routinemäßig geimpft werden: Myxomatose und RHD, die Rabbit Haemorrhagic Disease, früher als „Chinaseuche“ bekannt. Beide verlaufen für Kaninchen häufig tödlich, und für beide gibt es keine Behandlung, die zuverlässig hilft — die Impfung ist der einzige wirksame Schutz.
Warum auch Wohnungskaninchen betroffen sind
Ein verbreiteter Irrtum lautet: Wer seine Tiere drinnen hält, braucht nicht zu impfen. Beide Erreger werden unter anderem von stechenden Insekten übertragen — Mücken und Kaninchenflöhe tragen sie weiter. Eine Mücke findet ein offenes Fenster. RHD-Viren sind zusätzlich sehr widerstandsfähig und können über Schuhe, Kleidung, Heu oder Frischfutter ins Haus gelangen.
Reine Wohnungshaltung senkt das Risiko, sie beseitigt es nicht.
Myxomatose
Übertragen vor allem durch blutsaugende Insekten. Typisch sind Schwellungen an Kopf, Augenlidern, Ohren und Genitalbereich sowie eitriger Augenausfluss. Die Erkrankung zieht sich häufig über Wochen und endet oft tödlich. Behandelt werden können nur die Symptome.
RHD und RHD-2
RHD verläuft oft ohne lange Vorwarnung: Die Tiere sterben plötzlich, teils innerhalb von Stunden, manchmal mit blutigem Nasenausfluss. Seit einigen Jahren zirkuliert zusätzlich die Variante RHDV-2, die auch sehr junge Tiere trifft und gegen die ein reiner RHD-1-Impfschutz nicht ausreicht. Achten Sie deshalb darauf, dass der verwendete Impfstoff RHDV-2 einschließt — das ist eine Frage an die Praxis, keine Selbstverständlichkeit.
Wie oft wird geimpft?
Das hängt vom eingesetzten Impfstoff ab. Verbreitet sind Präparate mit einer jährlichen Auffrischung; für einzelne Impfstoffe und für Regionen mit hohem Infektionsdruck gelten andere Intervalle. Verbindlich ist, was die behandelnde Praxis auf Basis des verwendeten Impfstoffs festlegt — Zahlen aus dem Internet ersetzen diese Auskunft nicht.
Praktisch bewährt hat sich:
- Impftermin fest im Kalender hinterlegen, mit Erinnerung
- Impfausweis aufbewahren und zu jedem Termin mitnehmen
- alle Tiere der Gruppe gemeinsam impfen lassen
- den Termin nutzen, um Zähne, Gewicht und Krallen mit kontrollieren zu lassen
Wer nicht geimpft werden sollte
Geimpft wird nur ein gesundes Tier. Bei akuten Erkrankungen, kurz nach einer Operation oder bei starkem Stress wird der Termin verschoben. Nach einer Kastration gilt: erst erholen, dann impfen. Auch das entscheidet die Praxis im Einzelfall.
Was die Impfung nicht leistet
Die Impfung schützt gegen zwei Erkrankungen — nicht gegen Zahnprobleme, nicht gegen Verdauungsstörungen, nicht gegen Parasiten. Der jährliche Termin ersetzt also nicht die tägliche Beobachtung: Fressverhalten, Kot und Aktivität bleiben die wichtigste Früherkennung, siehe Krankes Kaninchen erkennen und Zahnprobleme beim Kaninchen.
Vorbereitung auf den Termin
Eine Transportbox, die das Tier schon kennt, macht die Fahrt erheblich ruhiger. Nehmen Sie den Partner mit — gemeinsam ist der Termin für beide Tiere weniger belastend, und es entfällt die Wiedereingewöhnung, die nach einer längeren Trennung nötig werden kann.
Kurz gefasst
Myxomatose und RHD einschließlich RHDV-2 sind impfbar und ohne Impfung häufig tödlich. Auch Wohnungstiere gehören geimpft. Das Intervall bestimmt der Impfstoff — und damit die Praxis.
