Echter, wässriger Durchfall ist beim Kaninchen ein Notfall — Kaninchen dehydrieren schnell, und hinter dem Symptom kann eine lebensbedrohliche Störung der Darmflora stecken. Wiederholt matschiger Kot ist kein Notfall, gehört aber zeitnah abgeklärt. Und ein dritter Fall wird oft mit Durchfall verwechselt, ist aber keiner: der weiche, traubenförmige Blinddarmkot, den gesunde Kaninchen normalerweise direkt wieder aufnehmen. Die Unterscheidung entscheidet darüber, wie schnell gehandelt werden muss.
Sofort in die Praxis
Ohne Abwarten, notfalls in den Notdienst — siehe Notfall:
- Wässriger Durchfall, das Tier verliert sichtbar Flüssigkeit
- Das Tier ist aufgegast (harter, gespannter Bauch) oder apathisch, sitzt zusammengekauert in der Ecke, reagiert nicht auf Futter
- Es frisst nicht oder setzt neben dem Durchfall keinen normalen Kot mehr ab
- Es handelt sich um ein Jungtier — bei ihnen kippt der Zustand besonders schnell
In diesen Fällen zählt jede Stunde. Durchfall beim Kaninchen ist nichts, was man „über Nacht beobachtet”.
Zeitnah abklären
Innerhalb der nächsten ein, zwei Tage in die Praxis, mit Kotprobe:
- Wiederholt matschiger, breiiger Kot, während das Tier sonst munter wirkt und frisst
- Verklebte, verschmutzte Aftergegend — das ist mehr als ein Hygieneproblem: Im Sommer legen Fliegen dort ihre Eier ab, und Fliegenmadenbefall ist ein akuter Notfall. Was im Sommer zusätzlich zu beachten ist, steht unter Kaninchen im Sommer.
Auch hier gilt: nicht aussitzen. Ein Tier, das sich nicht mehr sauber halten kann, hat ein Problem, das sich von allein selten löst.
Erst einordnen: Blinddarmkot ist kein Durchfall
Kaninchen produzieren zwei Kotarten. Neben den bekannten trockenen Köttel gibt es den Blinddarmkot: weich, glänzend, traubenförmig, in kleinen Paketen. Er ist normal und wichtig — gesunde Kaninchen nehmen ihn direkt vom After auf und fressen ihn, meist unbemerkt. Wer gelegentlich ein solches Träubchen im Gehege findet, muss nichts unternehmen.
Liegt Blinddarmkot dagegen häufig herum oder verklebt er das Fell, stimmt meist die Fütterung nicht: zu energiereich, zu wenig Rohfaser — das Tier ist satt, bevor es den Blinddarmkot braucht. Auch Übergewicht oder Rückenschmerzen können die Aufnahme verhindern. Der erste Blick gehört dann auf den Futterplan: Heu und Frischfutter als Basis, geeignetes Gemüse nach der Futterliste, Trockenfutter und Leckerlis kritisch prüfen.
Häufige Ursachen von echtem Durchfall
- Zu schnelle Futterumstellung — neues Frischfutter, der erste Weidegang im Frühjahr, ein Futterwechsel nach dem Einzug. Neues Futter wird über ein bis zwei Wochen langsam angefüttert.
- Zuckerreiches Futter: Obst in Mengen, Joghurtdrops, Knabberstangen. Zucker und Stärke verschieben die Darmflora — mit teils drastischen Folgen.
- Zahnprobleme: Wer nicht richtig kauen kann, verdaut nicht richtig. Näheres unter Zahnprobleme beim Kaninchen.
- Parasiten, allen voran Kokzidien — einzellige Darmparasiten, die vor allem Jungtieren und gestressten Tieren zusetzen. Die Diagnose läuft über eine Kotprobe in der Praxis, am besten als Sammelprobe über mehrere Tage.
Die Ursachenklärung gehört in die Praxis; eine mitgebrachte Kotprobe beschleunigt sie erheblich.
Kurz gefasst
Wässriger Durchfall, Apathie, Aufgasung oder ein betroffenes Jungtier heißen: sofort in die Praxis. Matschiger Kot und verklebte Aftergegend werden zeitnah mit Kotprobe abgeklärt — im Sommer auch wegen des Fliegenmaden-Risikos. Weicher, traubenförmiger Blinddarmkot ist dagegen normal; liegt er häufig herum, ist meist die Fütterung zu energiereich. Durchfall wird nie ausgesessen — Kaninchen dehydrieren schneller, als man zusehen kann.
Quellen
- Merck/MSD Veterinary Manual: Digestive Disorders of Rabbits — Störungen der Darmflora durch rohfaserarme, kohlenhydratreiche Fütterung; Kokzidien als häufige Durchfallursache; Blinddarmkot und seine Aufnahme
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.: Merkblatt Nr. 157 „Kaninchen als Heimtiere“, Stand September 2019 — Blinddarmkot im Fell als möglicher Hinweis auf Erkrankung, Übergewicht oder Fütterungsfehler; Schutz vor Fliegenmadenbefall in den Sommermonaten
